Linkedin, Xing & Co. sind Tummelplätze für wechselwillige Bewerber. Mittelständler nutzen diese, um der Konkurrenz Mitarbeiter abzuwerben.
Natürlich kennen Personalchefs mittelständischer Unternehmen Online-Communities
wie Facebook, Xing & Co. Schon lange ist es auch kein Geheimnis mehr, dass sie
gerade bei jüngeren Bewerbern die Profile absurfen, um mehr über das „wahre“ Gesicht
des Kandidaten zu erfahren.
Wie sieht es aber bei der Suche nach Mitarbeitern aus? Nutzen Personaler von
mittelständischen Unternehmen die Plattformen für die aktive Suche nach Mitarbeitern?
Xing & Co. sind wie eine Party, auf der jeder offen seinen Lebenslauf mit sich
herumträgt“, beschreibt Fachpublizist Stephan Lamprecht die Netzwerkplattformen. Und
offenbar eine gute Möglichkeit für Unternehmen, einen teuren Personalberater zu
umgehen und direkt mit dem potentiellen Kandidaten in Kontakt zu treten. Holger Fährmann
von der Personalberatung People & Projects widerspricht jedoch: „Internetplattformen
sind kein Ersatz für einen Personalberater. Ein echter Executive Search würde ganz sicher nicht
über sie agieren.“ Er muss das sagen, schließlich will er nicht am eigenen Ast sägen.
Nichtsdestotrotz haben seine Argumente Gewicht. Personalberater kennen sich in ihren Nischen
aus. Sie wissen, wer wechselwillig ist. Im Idealfall kennen sie die Persönlichkeiten hinter
den Lebensläufen und wissen, wer zu welchem Unternehmen passt. „Wer tummelt sich überhaupt
bei Xing, Linkedin und den anderen?“, fragt Fährmann. „Das sind doch in erster Linie die
25- bis 45-Jährigen.“ Aber auch jenseits der 45er-Marke gibt es Leistungsträger. „Diese
erfahrenen Arbeitskräfte würden bei einer einfachen Onlinerecherche wegfallen“, ergänzt er.
Abgesehen von den Argumenten der Personalberater bewegen sich Unternehmen egal welcher Größe
– also auch Mittelständler – in einer rechtlichen Grauzone, wenn sie potentielle Kandidaten
über Online-Communities direkt ansprechen und zu einem Arbeitgeberwechsel animieren. In der
realen Welt dürfen sie nicht so offensiv auftreten wie Executive Search und Personal abwerben. Ist
die Geschichte damit erzählt?
Nicht ganz. Ein Mitarbeiter eines mittelständischen IT-Unternehmens, der seinenNamen in der
Presse nicht lesen will, erzählt eine andere Geschichte: „Ich wurde in einer kurzen Nachricht
ganz direkt von meinem jetzigen Arbeitgeber angeschrieben, ob ich nicht das Unternehmen wechseln
will. Keine Heimlichtuerei, kein Wort von Verschwiegenheit.“
Ein Einzellfall in der Grauzone? Offenbar nicht. Monika Zehmisch, Buchautorin und Xing-Expertin,
weiß, wie gerade Mittelständler Personal über die Plattformen suchen. „Die direkte Ansprache ist
tatsächlich kein Einzelfall“, sagt sie.
Gängiger sei aber eine andere Methode, die den Prozess etwas verschleiere: Die Personalabteilung
sucht über Linkedin, Xing und noch häufiger über kleine Foren den Wunschkandidaten aus, beispielsweise
einen Maschinenbauingenieur für die Produktion. Ein Produktionsmitarbeiter wird dann beauftragt, ihn
„unter Kollegen“ anzusprechen. über typische Xing Floskeln wie „Haben Sie Interesse an einem
Erfahrungsaustausch?“ kontaktiert der Mitarbeiter den Kollegen. Später werden die Karten offen auf den
Tisch gelegt und über den Wechsel gesprochen. Erst wenn der Angesprochene Interesse zeigt, tritt die
Personalabteilung direkt an ihn heran.
ähnlich funktioniert die Ansprache über die Gruppen- und Diskussionsforen der Communities. Scheinbar
zufällig wirft ein Besucher den Namen eines Unternehmens, das Mitarbeiter sucht, in die Runde und
verfolgt, wer darauf reagiert. Später wird das Mitglied direkt angesprochen. Dass Unternehmen auch
von selbst aktiv werden – und zwar nicht zu selten – steht fest. Genaue Daten dazu gibt es jedoch
nicht, da die Recherche immer im Hintergrund abläuft.
Völlig legal und kein Geheimnis sind die Stellenanzeigen auf den Plattformen wie Linkedin, die sich
kaum von denen in den üblichen Onlinejobbörsen unterscheiden. Mittelständler nutzen diese Internetplattformen
aktiv zur Personalsuche.
Weiterlesen »